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3 reconstructions tagged with "Moralphilosophie"

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Eine zentrale Frage des Problems des freien Willens ist, ob der Determinismus mit Willensfreiheit vereinbar ist: Kann es zugleich sein, dass die Vergangenheit zusammen mit den Naturgesetzen eine einzige Zukunft bestimmt und wir trotzdem fähig sind, anders zu handeln? Das Standardargument gegen die Kompatibilität von Willensfreiheit und Determinismus ist das Konsequenzargument: Wenn der Determinismus wahr ist, dann sind unsere Handlungen die Konsequenzen der Naturgesetze und der Vergangenheit. Aber es liegt nicht an uns, was die Naturgesetze sind oder was in der fernen Vergangenheit geschah. Also liegt es auch nicht an uns, was die Konsequenzen der Naturgesetze und fernen Vergangenheit sind -- einschließlich unserer Handlungen. Die wohl einflussreichsten Varianten des Arguments legte Peter van Inwagen vor. Im Folgenden rekonstruiere ich die m. E. bis dato beste seiner Varianten sowie die wichtigsten Erwiderungen.

Bibliographische Angaben

Van Inwagen, Peter. 2017c. „Freedom to Break the Laws“. In Thinking about Free Will, von Peter van Inwagen. Cambridge University Press. DOI: 10.1017/9781316711101.

Textstelle

Das Konsequenzargument ist das Standardargument für den Inkompatibilismus (van Inwagen 2017d, 161);1 sein einleuchtender Grundgedanke lautet:

If determinism is true, then our acts are the consequences of the laws of nature and events in the remote past. But it is not up to us what went on before we were born, and neither is it up to us what the laws of nature are. Therefore, the consequences of these things (including our present acts) are not up to us. (van Inwagen 1983, 56)

In An Essay on Free Will legt Peter van Inwagen (1983, 56--58) die wohl wichtigsten Varianten des Konsequenzarguments vor: eine erste Variante, die recht komplex ist, aber in der Willensfreiheitsdebatte übliches Vokabular verwendet; eine zweite Variante, die recht einfach ist, aber unübliches Vokabular verwendet; und eine dritte Variante, die besondere modale Prinzipien einsetzt.

Ich werde die erste Variante rekonstruieren. Bevor ich zur Rekonstruktion komme, werde ich (i.) die Begriffe, die im Argument eine Rolle spielen, in van Inwagens Sinne definieren und (ii.) van Inwagens (2017c, 139--48) jüngste und einfachste Darstellung der ersten Variante des Konsequenzarguments wiedergeben, die er in Freedom to Break the Laws vorträgt.2

(Zu i.) Kompatibilismus ist die These, dass Willensfreiheit und Determinismus vereinbar sind; Inkompatibilismus ist die These, dass Willensfreiheit und Determinismus nicht kompatibel sind (van Inwagen 2017d, 152). Während besonders ‚Willensfreiheit‘ und ‚Determinismus‘ verschieden verwendet werden, werde ich zur Rekonstruktion des Arguments van Inwagens beide Begriffe sowie ‚Vereinbarkeit‘ nun so definieren, wie er sie verwendet.

Determinismus oder, genauer, Prädeterminismus ist die These, dass die Vergangenheit und die Naturgesetzte eine einzige Zukunft bestimmen oder, genauer, strikt implizieren. Van Inwagen (2017d, 151) selbst spricht zwar vom Determinismus, mit Lewis (1986a, 291) ist es aber noch genauer vom Prädeterminismus zu sprechen, weil es nur um eine Bestimmung der Zukunft durch die Vergangenheit geht, aber nicht umgekehrt; ich werde gleich dazu kommen, was es heißt, dass eine erste Proposition eine zweite strikt impliziert.

Willensfreiheit ist die These, dass jemand im relevanten Sinne fähig ist, anders zu handeln (van Inwagen 2017d, 151, 2017a, 225).3 Um zu erklären, was unter dem relevanten Sinn zu verstehen ist, sei auf einen Fall als Paradigma verwiesen:

Early last January, Sally was admitted both to Julliard to study piano and to the Harvard Law School. At that time she wanted very much to become a concert pianist (for reasons of personal fulfillment). She also wanted very much to become a lawyer (in this case, her reasons were moral and political). She spent the month of January trying to decide whether to study piano at Julliard or law at Harvard (or, more immediately, whether to accept the Julliard offer and decline the Harvard offer or to accept the Harvard offer and decline the Julliard offer). (van Inwagen 2017f, 198)

Der relevante Sinn ist der, in dem eine Person wie Sally während ihrer Überlegungen davon ausgeht, zugleich fähig zu sein, eine Handlung auszuführen, und fähig zu sein, die Handlung nicht auszuführen.4

Zur Definition von ‚Vereinbarkeit‘ und ‚strikte Implikation‘ ist metaphysische Modalität nötig. Metaphysische Notwendigkeit ist die stärkste (weiteste und grundlegende) Art von objektiver Notwendigkeit (im Unterschied zu epistemischer, doxastischer, deontischer und teleologischer; Williamson 2016); über sie können ‚metaphysische Möglichkeit‘, ‚Kompatibilität‘ und ‚strikte Implikation‘ wie folgt definiert werden:

  • Metaphysisch notwendig: Eine Proposition ist metaphysisch möglich genau dann, wenn es nicht metaphysisch notwendig ist, dass die Proposition nicht der Fall ist.

  • Metaphysisch notwendig: Eine erste Proposition ist mit einer zweiten kompatibel genau dann, wenn es metaphysisch möglich ist, dass die erste und die zweite der Fall sind (van Inwagen 2017b, 189n14).

  • Metaphysisch notwendig: Eine erste Proposition impliziert eine zweite strikt genau dann, wenn es metaphysisch notwendig ist, dass die erste die zweite impliziert (van Inwagen 2017c, 143n20, 1983, 59).

(Zu ii.) Vor dem Hintergrund der so definierten Begriffe komme ich nun zu van Inwagens erster Variante des Konsequenzarguments, wie er sie in Freedom to Break the Laws präsentiert:

„The argument begins with the story of a judge (J) who did not raise his hand at a certain moment (T) when his doing so would have prevented a prisoner‘s being put to death.“ (van Inwagen 2017c, 140) „L is the conjunction of all laws of nature into a single proposition“ (van Inwagen 2017c, 141); „strict implication is my entailment“ (van Inwagen 2017c, 143n20).

L conjoined with the whole truth about the past strictly implies every truth (that is to say: everything that is so is predetermined to be so)

and

J did not raise his hand at T but was able to raise his hand at T

jointly entail

J was able to arrange things in a way such that he was predetermined not to arrange things in that way.

Let us call this the Trivial Entailment (since it is “uninstructive” to be informed that it holds). Let us give the name ‘the Antecedent’ to the conjunction of determinism (‘L conjoined with the whole truth about the past strictly implies every truth’) and the thesis that J did not raise his hand at T but was able to raise his hand at T.

Now consider the following argument for incompatibilism, which takes the Trivial Entailment as its starting point:

Here is another way of stating the Trivial Entailment: the Antecedent entails

J was able to arrange things in a way such that L conjoined with the whole truth about the past strictly implies that he did not arrange things that way.

It follows that the Antecedent entails

J was able to arrange things in a way such that his arranging things in that way conjoined with the whole truth about the past strictly implies the falsity of L.

And no one has this ability. No one could possibly have this ability. But the Antecedent entails that J has this ability, and the Antecedent is a possible state of affairs if free will and determinism are compatible. It follows that free will and determinism are not compatible. (van Inwagen 2017c, 143--44)

Argumentrekonstruktion

Das Argument hat zwei Prämissen und eine Konklusion: erstens die Prämisse, die van Inwagen ‚triviale strikte Implikation‘ (‚Trivial Entailment‘) nennt, dass die Konjunktion aus Willensfreiheit und Determinismus eine gewisse Fähigkeit strikt impliziert; zweitens die Prämisse, die ‚Unmöglichkeitsthese‘ genannt werden kann, dass die Fähigkeit, die die Konjunktion von Willensfreiheit und Determinismus strikt impliziert, metaphysisch unmöglich ist; drittens die Konklusion, die ‚Inkompatibilismus‘ genannt wird, dass die Konjunktion aus Willensfreiheit und Determinismus metaphysisch unmöglich ist. Im Folgenden rekonstruiere ich (I.) die erste Prämisse, die triviale strikte Implikation, (II.) die zweite Prämisse, die Unmöglichkeitsthese, und (III.) die Konklusion, den Inkompatibilismus, um (IV.) schließlich die drei Propositionen zur Rekonstruktion des Konsequenzarguments zusammenzuführen.

Für meine Rekonstruktion mache ich folgende Festlegungen: Sei Z ein gewisser Zeitpunkt (z. B. 8.9.1966), P eine gewisse Person (z. B. Peter), H ein gewisser raum-zeitlich bestimmter Handlungstyp (z. B. Handheben am 18.3.1974 in New York), G die Konjunktion aller Naturgesetze in einer einzigen Proposition und V zu Z die gesamte Wahrheit über die Vergangenheit zu Z (van Inwagen 2017c, 141--43).

(Zu I.) Seine erste Prämisse, die triviale strikte Implikation, drückt van Inwagen wie folgt aus:

  • „L is the conjunction of all laws of nature into a single proposition“ (van Inwagen 2017c, 141).

  • [S]trict implication is my entailment“ (van Inwagen 2017c, 143n20).

  • „Let us give the name ‘the Antecedent’ to the conjunction of determinism (‘L conjoined with the whole truth about the past strictly implies every truth’) and the thesis that J did not raise his hand at T but was able to raise his hand at T.“ (van Inwagen 2017c, 144)

  • [T]he Antecedent entails J was able to arrange things in a way such that L conjoined with the whole truth about the past strictly implies that he did not arrange things that way.“ (van Inwagen 2017c, 144)

Vor diesem Hintergrund rekonstruiere ich die triviale strikte Implikation wie folgt:

(a) Metaphysisch notwendig: Wenn P zu Z im relevanten Sinne fähig ist, H auszuführen, und es zu Z prädeterminiert ist, dass P H nicht ausführt, dann ist P zu Z im relevanten Sinne fähig, H auszuführen, und G und V zu Z implizieren strikt, dass P H nicht ausführt.

Vereinfachend lässt sich (a) metaphysisch notwendig äquivalent umformen zu (1), meiner Rekonstruktion der ersten Prämisse:5

(1) Metaphysisch notwendig: Wenn es zu Z prädeterminiert ist, dass P H nicht ausführt, dann implizieren G und V zu Z strikt, dass P H nicht ausführt.

(Zu II.) Seine zweite Prämisse, die Unmöglichkeitsthese, drückt van Inwagen wie folgt aus:

  • „L is the conjunction of all laws of nature into a single proposition“ (van Inwagen 2017c, 141).

  • [T]he Antecedent entails J was able to arrange things in a way such that his arranging things in that way conjoined with the whole truth about the past strictly implies the falsity of L. And no one has this ability. No one could possibly have this ability.“ (van Inwagen 2017c, 144)

Vor diesem Hintergrund rekonstruiere ich die Unmöglichkeitsthese wie folgt:

(b) Metaphysisch unmöglich: P ist zu Z im relevanten Sinne fähig, H auszuführen, und, dass P H ausführt, und V zu Z implizieren strikt, dass G nicht der Fall ist.

Vereinfachend lässt sich (b) metaphysisch notwendig äquivalent umformen zu (2), meiner Rekonstruktion der zweiten Prämisse:6

(2) Metaphysisch notwendig: Wenn G und V zu Z strikt implizieren, dass P H nicht ausführt, dann ist P zu Z nicht im relevanten Sinne fähig, H auszuführen.

(Zu III.) Seine Konklusion, den Inkompatibilismus, drückt van Inwagen schließlich wie folgt aus:

  • „It follows that free will and determinism are not compatible.“ (van Inwagen 2017c, 144)

Vor diesem Hintergrund rekonstruiere ich den Inkompatibilismus wie folgt:

(c) Metaphysisch unmöglich: P ist zu Z im relevanten Sinne fähig, H auszuführen, und es ist zu Z prädeterminiert, dass P H nicht ausführt.

Vereinfachend lässt sich (c) metaphysisch notwendig äquivalent umformen zu (3), meiner Rekonstruktion der Konklusion:7

(3) Metaphysisch notwendig: Wenn es zu Z prädeterminiert ist, dass P H nicht ausführt, dann ist P zu Z nicht im relevanten Sinne fähig, H auszuführen.

(Zu IV.) Insgesamt ergibt sich folgende Rekonstruktion des Arguments.8

(1) Metaphysisch notwendig: Wenn es zu Z prädeterminiert ist, dass P H nicht ausführt, dann implizieren G und V zu Z strikt, dass P H nicht ausführt.

(2) Metaphysisch notwendig: Wenn G und V zu Z strikt implizieren, dass P H nicht ausführt, dann ist P zu Z nicht im relevanten Sinne fähig, H auszuführen.


(3) Also: Metaphysisch notwendig: Wenn es zu Z prädeterminiert ist, dass P H nicht ausführt, dann ist P zu Z nicht im relevanten Sinne fähig, H auszuführen.

Kommentar

Das Argument ist deduktiv gültig. Prämisse (1) ist wahr per Definition; denn (1) folgt aus der Definition des Prädeterminismus, die stipulativ ist: Die Definition des Prädeterminismus soll nicht zu einer früheren Verwendung des Begriffs passen, sondern postuliert lediglich, welche Bedeutung ‚prädeterminiert‘ im Kontext des Konsequenzarguments hat (Gupta und Mackereth 2023; Carnap 1952) -- eben deshalb nennt van Inwagen seine erste Prämisse ‚trivial‘. Also ist das Argument genau dann schlüssig, d. h. hat nur wahre Prämissen und ist deduktiv gültig, wenn (2) wahr ist.

Die Wahrheit von (2) ist umstritten. Das wohl wichtigste Argument gegen die Plausibilität von (2) und insoweit für den Kompatibilismus stammt von David Lewis (1986a; van Inwagen 2017b, 186--87). Die Negation von (2) impliziert strikt die These, dass es möglich ist, dass eine Person fähig ist, eine Handlung auszuführen, sodass, würde sie sie ausführen, ein Naturgesetz falsch wäre, d. h. gebrochen würde, oder die Vergangenheit falsch wäre, d. h. anders wäre.9 Zunächst mag es deshalb scheinen, dass eine Person, die (2) negiert, damit behauptet, wir könnten die Fähigkeit haben, die Naturgesetze zu brechen oder die Vergangenheit zu ändern -- eine absurd falsche Konsequenz. Es folgt, dass (2) wahr ist. So gesehen handelt es sich bei dem Argument um eine Reductio ad absurdum des Kompatibilismus (Lewis 1986a, 296).

Wie Lewis (1986a, 291--95) zeigt, muss allerdings zwischen einer starken und einer schwachen Version der These unterschieden werden, dass wir fähig sein können, so zu handeln, dass ein Naturgesetz gebrochen oder die Vergangenheit verändert wird. Während die starke These absurd ist, ist nur die schwache These eine Konsequenz des Kompatibilismus.

(Schwache These) : Eine Person kann fähig sein, etwas zu tun, sodass, wenn : sie es täte, ein Ereignis die Naturgesetze brechen oder die : Vergangenheit ändern würde.

(Starke These) : Eine Person kann fähig sein, etwas zu tun, sodass, wenn : sie es täte, ihre Handlung die Naturgesetze brechen oder die : Vergangenheit ändern würde.10

Um den Unterschied zu sehen, betrachten wir, was geschehen würde, würde J in van Inwagens Beispiel seine Hand heben, um die Hinrichtung zu verhindern, obwohl er dies prädeterminierterweise nicht tut. Würde er eine Handlung ausführen, die die Naturgesetze brechen würde, z. B. seine Hand schneller als Licht bewegen? Oder eine Handlung, die die Vergangenheit verändern würde, z. B. seinem früheren Selbst mitteilen, wie sehr er die Hinrichtung später bereuen würde? Nein; sowohl naheliegenderweise als auch nach Standardtheorien der Semantik subjunktivischer Aussagen würde in etwa Folgendes geschehen:11 Bevor J seine Hand heben würde, würde ein möglichst kleiner Naturgesetzbruch oder eine möglichst kleine Veränderung der gesamten Vergangenheit stattfinden, der oder die verursachen würde, dass J seine Hand hebt. Z. B. könnten naturgesetzwidrigerweise ein paar zusätzliche Neuronen in einer Ecke von Js Gehirn feuern, mit dem Ergebnis, dass J die Hand hebt (Lewis 1986b, 44, 1986a, 294--95). Js Handheben wäre aber weder selbst ein Naturgesetzbruch noch eine Vergangenheitsveränderung noch würde es etwas Derartiges verursachen. Deshalb gilt: Würde J unter deterministischen Bedingungen seine Hand heben, obwohl er das in Wirklichkeit nicht tut, würde er weder die Naturgesetze brechen noch die Vergangenheit verändern.

Wenn eine Kompatibilistin daher behauptet, J sei fähig, seine Hand zu heben, obwohl er dies prädeterminerterweise nicht tut, behauptet sie nicht zwingend, dass J fähig ist, eine Handlung auszuführen, die selbst die Naturgesetze brechen oder die Vergangenheit verändern würde -- sie behauptet nicht die Fähigkeit, die Naturgesetze zu brechen oder die Vergangenheit zu verändern. Alles, worauf sie verpflichtet ist, ist die schwache These, dass J eine Fähigkeit hat, sodass irgendein Naturgesetzbruch oder irgendeine Vergangenheitsveränderung stattfinden würde, würde er sie einsetzen.

Laut van Inwagen (2017c, 142) sind Lewis' Ausführungen vollkommen richtig. Er (2017c, 146--47) erwidert mit einem anderen Argument: Erstens ist es völlig plausibel, dass niemand die Fähigkeit haben kann, ein Wunder zu wirken. Zweitens schlägt van Inwagen eine Wunderdefinition vor, die zusammen mit der Negation von (2) strikt impliziert, dass jemand die Fähigkeit haben kann, ein Wunder zu vollbringen. Es folgt per Reductio, dass (2) wahr ist. Wie Adrian Kuźniar (2023) zeigt, hat van Inwagens nicht-stipulative Wunderdefinition allerdings ihre eigenen absurden Konsequenzen: Sie zählt Handlungen als Wunder, die offensichtlich nicht das Wirken eines Wunders sind. Stimmt das, ist seine Erwiderung unschlüssig, weil sie eine falsche Wunderdefinition zur Prämisse hat.

Wenn Lewis (1986a) in der Tat recht hat und van Inwagens (2017c) Erwiderung tatsächlich unschlüssig ist, stehen wir epistemisch letztlich vor der folgenden Alternative.12

Entweder (A) es ist unmöglich, dass eine Person fähig ist, so zu handeln, dass es prädeterminiert ist, dass sie nicht so handelt;

oder (B) es ist möglich, dass eine Person fähig ist, so zu handeln, dass, würde sie so handeln, die Naturgesetze gebrochen würden oder die Vergangenheit anders wäre.

Wir sollten uns entweder enthalten oder aber die Alternative wählen, die plausibler ist (van Inwagen 2017c, 146). Kompatibilisten wie Lewis meinen, dass die Freiheit unseres Willens selbst unter deterministischen Bedingungen so evident ist, dass wir uns für (A) und gegen (B) entscheiden sollten; (B) scheint zwar auch evident, aber nicht so evident wie (A). Inkompatibilisten hingegen meinen, dass es so evident ist, dass wir unmöglich fähig sind, so zu handeln, dass ein Naturgesetz gebrochen würde oder die Vergangenheit anders wäre, dass wir uns für (B) und gegen (A) entscheiden sollten; (A) scheint zwar ebenfalls evident, aber nicht so evident wie (B).13

Literaturangaben

Bennett, Jonathan. 2003. A Philosophical Guide to Conditionals. Oxford University Press.

Carnap, Rudolf. 1952. „Meaning Postulates“. Philosophical Studies 3 (5): 63--73.

Gupta, Anil, und Stephen Mackereth. 2023. „Definitions“. In The Stanford Encyclopedia of Philosophy, Fall 2023, herausgegeben von Edward Zalta und Uri Nodelman. URL: plato.stanford.edu/archives/fall2023/entries/definitions.

Van Inwagen, Peter. 1975. „The Incompatibility of Free Will and Determinism“. Philosophical Studies 27 (3): 185--99.

Van Inwagen, Peter. 1983. An Essay on Free Will. Clarendon Press.

Van Inwagen, Peter. 2017a. „Ability“. In Thinking about Free Will, von Peter van Inwagen. Cam-bridge University Press. DOI: 10.1017/9781316711101.

Van Inwagen, Peter. 2017b. „Author's Preface to the French Translation of An Essay on Free Will“. In Thinking about Free Will, von Peter van Inwagen. Cambridge University Press. DOI: 10.1017/9781316711101.

Van Inwagen, Peter. 2017c. „Freedom to Break the Laws“. In Thinking about Free Will, von Peter van Inwagen. Cambridge University Press. DOI: 10.1017/9781316711101.

Van Inwagen, Peter. 2017d. „How to Think about the Problem of Free Will“. In Thinking about Free Will, von Peter van Inwagen. Cambridge University Press. DOI: 10.1017/9781316711101.

Van Inwagen, Peter. 2017e. „Introduction: Van Inwagen on Free Will“. In Thinking about Free Will, von Peter van Inwagen. Cambridge University Press. DOI: 10.1017/9781316711101.

Van Inwagen, Peter. 2017f. „The Problem of Fr** W*ll“. In Thinking about Free Will, von Peter van Inwagen. Cambridge University Press. DOI: 10.1017/9781316711101.

Kuźniar, Adrian. 2023. „Are We Free to Work Miracles? On Peter van Inwagen's Concept of the Miraculous“. Religious Studies 59 (2): 252--60. DOI: 10.1017/S003441252200021X.

Lewis, David. 1986a. „Are We Free to Break the Laws?“ In Philosophical Papers, von David Lewis, Bd. 2. Oxford University Press. DOI: 10.1093/0195036468.003.0010.

Lewis, David. 1986b. „Counterfactual Dependence and Time's Arrow“. In Philosophical Papers, von David Lewis, Bd. 2. Oxford University Press. DOI: 10.1093/0195036468.003.0002.

O'Connor, Timothy, und Christopher Franklin. 2022. „Free Will“. In The Stanford Encyclopedia of Philosophy, Winter 2022, herausgegeben von Edward Zalta und Uri Nodelman. URL: plato.stanford.edu/archives/win2022/entries/freewill.

Vihvelin, Kadri. 2022. „Arguments for Incompatibilism“. In The Stanford Encyclopedia of Philosophy, Fall 2022, herausgegeben von Edward Zalta und Uri Nodelman. URL: plato.stanford.edu/archives/fall2022/entries/incompatibilism-arguments.

Williamson, Timothy. 2016. „Modal Science“. Canadian Journal of Philosophy 46 (4--5): 453--92. DOI: 10.1080/00455091.2016.1205851.


  1. Für weitere Argumente für den Inkompatibilismus, siehe Vihvelin (2022).

  2. Für frühere Darstellungen, siehe van Inwagen (1975; 1983, 68--78).

  3. Neben dem Verständnis von Willensfreiheit als Freiheit, anders zu handeln, gibt es insbesondere auch das Verständnis von Willensfreiheit als Urheberschaft, das bei van Inwagen aber keine Rolle spielt (O'Connor und Franklin 2022).

  4. Für Bedeutungen von ‚Fähigkeit‘, die für Willensfreiheit irrelevant sind, siehe van Inwagen (1983, 8--13).

  5. Dies entspricht der metaphysisch notwendigen Äquivalenz von [(FD)(FI)]\square\lbrack(\text{F}^{*} \land \text{D}^{*}) \rightarrow (\text{F}^{*} \land \text{I}^{*})\rbrack und [DI]\square\lbrack\text{D}^{*} \rightarrow \text{I}^{*}\rbrack.

  6. Dies entspricht der metaphysisch notwendigen Äquivalenz von

    ¬[F[(HV)¬G]]\neg\Diamond\lbrack\text{F}^{*} \land \square\lbrack(\text{H}^{*} \land \text{V}^{*}) \rightarrow \neg\text{G}^{*}\rbrack\rbrack und [[(GV)¬H]¬F]\square\lbrack\square\lbrack(\text{G}^{*} \land \text{V}^{*}) \rightarrow \neg\text{H}^{*}\rbrack \rightarrow \neg\text{F}^{*}\rbrack.

  7. Dies entspricht der metaphysisch notwendigen Äquivalenz von

    ¬[FD]\neg\Diamond\lbrack\text{F}^{*} \land \text{D}^{*}\rbrack und [D¬F]\square\lbrack\text{D}^{*} \rightarrow \neg\text{F}^{*}\rbrack.

  8. Man kann das Argument verallgemeinern, indem man über Zeiten, Personen, Handlungen und (in geeigneter Weise) über Naturgesetze und Vergangenheit allquantifiziert.

  9. Ich nehme hier an, dass das strikte das kontrafaktische Konditional strikt impliziert.

  10. Ich verändere Lewis' (1986a, 293) Thesen hier leicht und übertrage seine Argumentation bezüglich der Naturgesetze auf die Vergangenheit.

  11. Siehe, z. B., Bennett (2003).

  12. Ich ignoriere hier alle anderen als die rekonstruierten Argumente, die für oder gegen (A) oder (B) sprechen.

  13. Van Inwagen (2017e, 13--14) ist kein solcher Inkompatibilist; vielmehr ist seine Antwort auf die Frage, ob der freie Wille möglich ist, dass dies ein Mysterium ist, weil die Argumente für und gegen Willensfreiheit gleich plausibel schlüssig erscheinen.

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G. E. Moores Argument der offenen Frage ist eines der bedeutendsten Argumente des 20. Jahrhunderts im Bereich der Ethik. Zahlreiche Philosophen haben über dieses Argument nachgedacht, es auf unterschiedliche Weise rekonstruiert, kritisiert und bewertet. In der folgenden Rekonstruktion wird Moores Gedankengang in der Principia Ethica als ein Argument für die These, dass der Begriff „gut” nicht durch einen beschreibenden Ausdruck definierbar ist, verstanden. In dem Kommentar der Rekonstruktion zeigen sich potentielle Schwächen des Arguments in dieser Form, die unter anderem damit zu tun haben, was wir unter analytischen Definitionen verstehen. Der Kommentar berücksichtigt auch den Einwand eines möglichen Zirkelschlusses. Meistens wird das Argument der offenen Frage als ein Argument für den moralischen Intuitionismus („Non-Naturalism”) verstanden. In der vorgetragenen Rekonstruktion wäre die Konklusion allerdings auch mit dem moralischen Nihilismus verträglich. Insgesamt bietet die folgende Interpretation eine erste Erkundung von Moores Gedanken, die die interpretatorische Flexibilität im Text der Principia Ethica anerkennt.

Bibliographische Angaben

G. E. Moore, Principia Ethica, Cambridge University Press: Cambridge 1903, §13. [Project Gutenberg]

Textstelle

The hypothesis that disagreement about the meaning of good is disagreement with regard to the correct analysis of a given whole, may be most plainly seen to be incorrect by consideration of the fact that, whatever definition may be offered, it may always, be asked, with significance, of the complex so defined, whether it is itself good. To take, for instance, one of the more plausible, because one of the more complicated of such proposed definitions, it may easily be thought, at first sight, that to be good may mean to be that which we desire to desire. Thus if we apply this definition to a particular instance and say “When we think that A is good, we are thinking that A is one of the things which we desire to desire,” our proposition may seem quite plausible. But, if we carry the investigation further, and ask ourselves “Is it good to desire to desire A?” it is apparent, on a little reflection, that this question is itself as intelligible, as the original question, “Is A good?”—that we are, in fact, now asking for exactly the same information about the desire to desire A, for which we formerly asked with regard to A itself. But it is also apparent that the meaning of this second question cannot be correctly analyzed into “Is the desire to desire A one of the things which we desire to desire?”: we have not before our minds anything so complicated as the question “Do we desire to desire to desire to desire A?” Moreover any one can easily convince himself by inspection that the predicate of this proposition—”good”—is positively different from notion of “desiring to desire” which enters into its subject: “That we should desire to desire A is good” is not merely equivalent to “That A should be good is good.” It may indeed be true that what we desire to desire is always good; perhaps, even the converse may be true: but it is very doubtful whether this is the case, and the mere fact that we understand very well what is meant by doubting it, shews clearly that we have two different notions before our mind.

Argumentrekonstruktion

Die zitierte Textstelle kann auf unterschiedliche Weise ausgelegt werden und vorangehende und folgende Textstellen der Principia Ethica können angeführt werden, um verschiedene Interpretationen zu unterstützen. Es scheint aber, dass Moores Grundgedanke sich als Schluss aus zwei Prämissen auf die Konklusion, dass der Ausdruck „gut” nicht anhand eines beschreibenden Ausdrucks X definierbar ist, rekonstruieren lässt.

  1. Wenn der Ausdruck „gut” anhand eines beschreibenden Ausdrucks X (z.B. „etwas, was wir begehren zu begehren”) definierbar wäre, dann wäre die Frage „A ist X, aber ist A auch gut?” nicht offen.
  2. Die Frage „A ist X, aber ist A auch gut?” ist aber offen.

  1. Der Ausdruck „gut” ist nicht anhand eines beschreibenden Ausdrucks definierbar.

Kommentar

Die obige Rekonstruktion von Moores Argumentation folgt dem modus tollens Schema (Wenn p, dann q; es ist aber nicht der Fall, dass q; also ist p nicht der Fall) und ist deswegen gültig. Das bedeutet, dass die Wahrheit der Prämissen die Wahrheit der Konklusion nach sich zieht. Ob das Argument auch schlüssig bzw. stichhaltig ist, hängt davon ab, ob die Prämissen auch wirklich wahr sind, beziehungsweise, ob wir gute Gründe dafür haben anzunehmen, dass die Prämissen wahr sind.

Um die Frage anzugehen, ob Prämisse 1 wahr ist, ist es sinnvoll zunächst einen anderen Fall zu betrachten. Der Ausdruck „Junggeselle” ist anhand des Ausdrucks „unverheirateter Mann” definierbar. Weil dem so ist, wäre die Frage „Alex ist ein unverheirateter Mann, aber ist Alex auch ein Junggeselle?” in gewisser Weise unsinnig. Wenn jemand diese Frage stellen würde, könnten wir mit Recht erwidern, dass diese Person den Ausdruck „Junggeselle” nicht versteht. Mit anderen Worten: Die Frage, ob Alex Junggeselle ist, ist für alle, die den Ausdruck „Junggeselle” verstehen, und die wissen, dass Alex ein unverheirateter Mann ist, abgeschlossen. Etwas allgemeiner ausgedrückt: Wenn X und Y dasselbe bedeuten, so könnte man vermuten, müssen alle Fragen der Art „A ist X, aber ist A auch Y?” abgeschlossen sein. Aus diesem Grund scheint es zunächst plausibel anzunehmen, dass Prämisse 1 wahr ist.

Um nun Prämisse 2 anzugehen, ist es sinnvoll eines von Moores Beispielen anzuführen. Es scheint so zu sein, dass eine Frage wie „Genuss ist etwas, was wir begehren zu begehren, aber ist Genuss auch gut?” nicht in obigem Sinne unsinnig ist. Wenn jemand solch eine Frage stellen würde, könnten wir nicht einfach erwidern, dass die Person den Ausdruck „gut” nicht versteht. Es erscheint außerdem zunächst nicht unplausibel, dass jede Frage, die dem Schema „A ist X, aber ist A auch gut?” folgt, in diesem Sinne offen ist. Leser*innen können selbst verschiedene Möglichkeiten ausprobieren das Schema auszufüllen. Es muss aber angemerkt werden, dass Ausdrücke, die nicht beschreibend, sondern wertend sind, eventuell solch eine Frage schließen können. Die Frage „A ist weder schlecht noch neutral, aber ist A auch gut?” scheint tatsächlich im obigen Sinne unsinnig zu sein. Aber wir haben zunächst gute Gründe anzunehmen, dass Prämisse 2 hinsichtlich beschreibender Ausdrücke wahr ist.

Bei genauerer Betrachtung zeigen sich allerdings erhebliche Schwächen in der hier präsentierten Rekonstruktion des Arguments der offenen Frage. Dies heißt nicht zwangsläufig, dass Moores Gedankengang fehlerhaft ist. Die angeführte Textstelle lässt viel Interpretationsspielraum zu und die angeführte Rekonstruktion sollte daher nur als eine erste Annäherung, welche durch die folgenden kritischen Überlegungen ergänzt werden kann, betrachtet werden.

Bezüglich Prämisse 1 ist zunächst anzumerken, dass es selbstverständlich Fälle gibt, in denen X und Y zwar in gewissem Sinne dasselbe bedeuten, die Frage „A ist X, aber ist A auch Y?” aber offenbleibt. Dies ist zum Beispiel immer der Fall, wenn X und Y, wie Frege sagen würde, bloß dasselbe bedeuten, aber nicht denselben Sinn haben. Nehmen wir als Beispiel die Ausdrücke „Batman” und „Bruce Wayne”. Superheldenfans wissen natürlich, dass Batman Bruce Wayne ist. Insofern, dass „Batman” und „Bruce Wayne” sich auf dieselbe Person beziehen, lässt sich dann sagen, dass diese beiden Ausdrücke dasselbe bedeuten. Allerdings haben die Ausdrücke „Batman” und „Bruce Wayne” einen unterschiedlichen Sinn. Dies zeigt sich genau dadurch, dass für jemanden, der zwar den Ausdruck „Batman” versteht, der aber nicht weiß, dass Batman Bruce Wayne ist, die Frage „Der dunkle Ritter ist Batman, aber ist der dunkle Ritter Bruce Wayne?” nicht abgeschlossen ist. Wir könnten zu jener Person nicht sagen, dass sie den Ausdruck „Bruce Wayne” nicht versteht.

Es ließe sich zweierlei erwidern. Zunächst können wir darauf hinweisen, dass Moore in dem obigen Text von analytischen Definitionen zu sprechen scheint. Analytische Definitionen sind, grob gesagt, begriffliche Wahrheiten. „Junggesellen sind unverheiratete Männer” ist analytisch. Das vermeintliche Gegenbeispiel „Batman ist Bruce Wayne” scheint dagegen nicht analytisch zu sein. Dies ließe sich unter anderem daran zeigen, dass wir nicht allein durch Nachdenken über den Begriff „Batman” herausfinden könnten, dass Batman Bruce Wayne ist. Wenn dem so wäre, hätte Batman es nicht nötig sich zu maskieren.

Nun ist es aber so, dass selbst analytische Wahrheiten nicht zwangsläufig offensichtlich sein müssen. Ist es nicht so, dass Philosophen, besonders in der analytischen Tradition, bestrebt sind, analytische Wahrheiten zu enthüllen, die nicht offensichtlich sind? Wären alle analytischen Wahrheiten so offensichtlich wie „Junggesellen sind unverheiratete Männer” hätten wir Philosophen wenig zu tun. Es könnte also durchaus sein, dass „gut” anhand von einem beschreibenden Ausdruck wie „etwas, was wir begehren zu begehren” analytisch definiert werden kann, dass die Antwort auf die Frage „Genuss ist etwas, was wir begehren zu begehren, aber ist Genuss auch gut?” aber trotzdem nicht offensichtlich ist und in diesem Sinne offenbleibt.

Bezüglich Prämisse 2 ist anzumerken, dass Kritiker des Arguments der offenen Frage hier einen Zirkelbeweis oder eine petitio principii anmahnen könnten. Mit anderen Worten, es könnte angemahnt werden, dass wir nur Grund haben anzunehmen, dass die Frage „A ist X, aber ist A auch gut?” offen ist, wenn wir bereits an die Konklusion glauben. Kritiker könnten zumindest bemängeln, dass die obige Rekonstruktion von Moores Gedankengang ungenügend in dem Sinne ist, dass eine von der Konklusion unabhängige Begründung von Prämisse 2 nicht direkt ersichtlich ist.

Abschließend sollte erwähnt werden, dass die Konklusion der obigen Rekonstruktion verschiedene mögliche Implikationen hat. G. E. Moore selbst verstand seinen Gedankengang als eine Argumentation dafür, dass die Qualität des Gutseins zwar eine reale, aber keine natürliche Qualität ist. Zumindest in der obigen Konstruktion ist die Konklusion des Arguments der offenen Frage aber durchaus auch mit anderen Implikationen verträglich. Es wäre zum Beispiel auch denkbar, dass der Ausdruck „gut” nicht anhand eines beschreibenden Ausdrucks definierbar ist, weil die Qualität des Gutseins nicht real ist. Mit anderen Worten, die obige Rekonstruktion des Arguments der offenen Frage kann auch als hinführendes Argument für den moralischen Nihilismus verstanden werden.

Literaturangaben

Frege, G. (1892). Über Sinn und Bedeutung. In M. Beaney (Ed.), The Frege Reader. Blackwell.

Smith, M. (1995). The Moral Problem. Blackwell.

Van Roojen, M. S. (2015). Metaethics: A Contemporary Introduction (First edition). Routledge, Taylor & Francis Group.

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Nozicks "Experience Machine" ist ein berühmtes Gedankenexperiment, in dem man die Wahl hat, sich an eine Maschine anzuschließen, um darin simulierte Glückserfahrungen zu machen. Es soll zeigen, dass sich niemand an eine solche Maschine anschließen würde und deshalb der Hedonismus falsch ist.

Bibliographische Angaben

Robert Nozick, Anarchy, State, and Utopia. New York: Basic Books, 1974.

Textstelle

Nozick beschreibt die "Experience Machine" folgendermaßen:

Suppose there were an experience machine that would give you any experience you desired. Superduper neuropsychologists could stimulate your brain so that you would think and feel you were writing a great novel, or making a friend, or reading an interesting book. All the time you would be floating in a tank, with electrodes attached to your brain. (Nozick, a.a.O., S. 42f.)

Argumentrekonstruktion

Nozicks Gedankenexperiment lässt sich als vierstufige Argumentation mit zwei Zwischenkonklusionen sowie der zu begründenden finalen Konklusion rekonstruieren.

  1. (Prämisse) Die Mehrheit der Menschen würde sich nicht an die “Experience Machine” anschließen.
  2. (Schluss auf die beste Erklärung) Wenn sich die Mehrheit der Menschen nicht an die “Experience Machine” anschließen würde, dann hält die Mehrheit der Menschen nicht nur Glückserfahrungen (pleasure) für intrinsisch wertvoll.
  3. (Konklusion aus 1-2) Die Mehrheit der Menschen hält nicht nur Glückserfahrungen für intrinsisch wertvoll.
  4. (Prämisse) Es ist nicht der Fall, dass sich die Mehrheit der Menschen in moralischen Fragen dieser Art irrt.
  5. (Konklusion aus 3-4) Es ist nicht der Fall, dass Glückserfahrungen der einzige intrinsische Wert sind.
  6. (Prämisse) Wenn der Hedonismus richtig ist, dann sind Glückserfahrungen der einzige intrinsische Wert.
  7. (Konklusion aus 5-6) Der Hedonismus ist falsch.

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